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Allgäu

Sehenswürdigkeiten im Allgäu

Sehenswürdigkeiten, Sagen & Kultur – die Stopps, die eine Tour erst rund machen.

Sehenswert

Sehenswürdigkeiten im Allgäu: Königsschlösser, Klammen und Wasserfälle

Kaum eine andere Region in Deutschland bringt so viele bekannte Ausflugsziele auf einer Tagestour zusammen wie das Allgäu. Das berühmteste Ziel sind die Königsschlösser bei Füssen. Schloss Neuschwanstein und das ältere Schloss Hohenschwangau liegen direkt nebeneinander über dem Alpsee und dem Schwansee. Die Anfahrt führt von Füssen über die B17 Richtung Schwangau und nach dem Ortsausgang rechts ab nach Hohenschwangau. Bis zu den Schlössern hinauf darf niemand mit dem eigenen Fahrzeug fahren, das Dorf Hohenschwangau ist die letzte Parkmöglichkeit. Für Motorräder gibt es ausgewiesene Stellplätze auf den Parkflächen P2 und P3 zum Tagestarif von 5,00 Euro. Von dort geht es zu Fuß, mit Pferdekutsche oder Shuttlebus weiter hinauf; der Fußweg zum Schloss Neuschwanstein dauert rund 30 bis 40 Minuten und ist steil. Die klassischen Blicke auf die Schlösser gibt es schon vom Tal aus und von der Marienbrücke. Wer von hier weiter ins Tannheimer Tal oder über den Oberjoch fährt, hat die Schlösser als logischen Startpunkt einer Tour.

Bad Hindelang: Iselerbahn in den Allgäuer Alpen
Bad Hindelang: Iselerbahn in den Allgäuer Alpen

Ein landschaftliches Glanzstück im Süden ist die Breitachklamm bei Oberstdorf. Sie gilt als tiefste Felsenschlucht Mitteleuropas; senkrechte Felswände begrenzen die bis zu rund 150 Meter tiefe Schlucht, durch die das Wasser der Breitach tost. Der Eingang liegt im Oberstdorfer Ortsteil Tiefenbach, von dort zieht sich die Klamm bis ins benachbarte Kleinwalsertal. Die Durchquerung dauert etwa 30 bis 40 Minuten, der gesamte Rundweg rund anderthalb Stunden. In der Sommersaison öffnet die Klamm in der Regel ab 9 Uhr, letzter Einlass ist am späten Nachmittag. Parkmöglichkeiten gibt es am Klammeingang in Tiefenbach, von dort sind es einige Minuten Fußweg bis zum Einstieg.

Wenige Kilometer entfernt, in Obermaiselstein, liegt die Sturmannshöhle, die einzige für Besucher begehbare Naturhöhle im Allgäu. Sie ist seit 1905 öffentlich zugänglich, der Eingang liegt auf rund 978 Metern Höhe. Über 180 Stufen geht es mit Höhlenführung in die Tiefe bis zu einem Höhlensee mit unterirdischem Bach; eine Führung dauert etwa 30 bis 40 Minuten bei konstant rund 8 Grad. Erreichbar ist die Höhle über die Engstelle der Straße von Obermaiselstein nach Tiefenbach, den sogenannten Hirschsprung, von wo ein Sagenpfad zum Höhleneingang führt. Eine Jacke gehört wegen der Kühle ins Gepäck.

Im Westallgäu stürzen bei Scheidegg die Scheidegger Wasserfälle in zwei Hauptfällen rund 22 und 18 Meter tief, zusammen also rund 40 Meter, in die tief eingeschnittene Rohrachschlucht, die als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Der Zugang ist kostenpflichtig, ein Kassenhaus steht am Eingang. In der Nähe liegt der Skywalk Allgäu, ein Naturerlebnispark mit einem rund 540 Meter langen Baumwipfelpfad, der bis auf mehrere Dutzend Meter über den Waldboden steigt. Das Westallgäu trägt auch für sich eine Tagestour und bleibt dabei ruhiger als das Hochgebirge im Süden.

Kultur & Sagen

Sagen vom Alatsee bis zum Säuling

Das Allgäu ist reich an alten Sagen, die sich um seine Seen, Berge und Schluchten ranken. Wer mit offenen Augen fährt, kommt an vielen Orten vorbei, denen die Überlieferung eine eigene Geschichte gibt. In und um Oberstdorf bevölkern kopflose Geister, wilde Männer, Hexen und Drachen die Sagenwelt – Gestalten, die früher die Fantasie der Bergbewohner beschäftigten.

Ein besonders geheimnisvoller Ort ist der Alatsee bei Füssen. Der Sage nach lagen dort einst grüne, fruchtbare Wiesen, und auf einem Hügel stand eine Burg, in der drei Schwestern herrschten. Als sie in Streit gerieten, wer die schönsten Felder und die Burg erben solle, verfluchte eine der Schwestern die anderen: Die Erde solle sie samt ihrem Besitz augenblicklich verschlingen. So sei, der Sage nach, der Alatsee entstanden. Eine andere Überlieferung erzählt von einer Frau, die in einer hölzernen Truhe im See versenkt wurde und einen Mönch verfluchte, der seither am Ufer des Alatsees umgeht und Erlösung sucht. Der See selbst ist bekannt für eine eigentümliche rötliche Färbung in der Tiefe, was seinen mystischen Ruf zusätzlich genährt hat.

Über Füssen wacht der markante Säuling, ein Berg an der Grenze zu Tirol, um den sich gleich mehrere Sagen ranken. Der Sage nach diente die Hochfläche unterhalb des Gipfels, das Hexenbödele, den Hexen als Tanzplatz, auf dem sie Wein aus Lärchenzweigen gewrungen und ausschweifende Feste zu Ehren ihres Anführers gefeiert haben sollen. Eine andere Sage erzählt, der Teufel selbst habe einen Felsen aus dem Säuling gebrochen und Richtung Roßhaupten geschleudert, um den Bau einer Kirche zu verhindern; als die Abendglocken läuteten, sei der Stein jedoch senkrecht zu Boden gefallen.

Solche Sagen sind kein historischer Beleg, sondern überliefertes Erzählgut. Sie geben den Orten aber eine Tiefe, die das reine Streckenfahren nicht hat, und machen einen Stopp am Seeufer oder einen Blick zum Säuling zu mehr als nur einer Fotopause.

Sehenswert

Königsschlösser, Wieskirche und Klöster: Stopps für Regentage

Im Allgäu kann das Wetter in den Bergen schnell umschlagen. Für solche Tage lohnt sich ein Vorrat an überdachten Zielen, die auch bei Regen einen vollwertigen Tag tragen. An erster Stelle stehen die Königsschlösser bei Füssen. Neuschwanstein wurde unter König Ludwig II. von Bayern errichtet und ist eines der meistbesuchten Schlösser Europas, Hohenschwangau war seine Jugendresidenz. Beide sind nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen, die Tickets sind zeitgebunden und sollten möglichst im Voraus gebucht werden. Eine Innenbesichtigung füllt bei schlechtem Wetter gut einen halben Tag.

Ein kulturelles Glanzlicht ist die Wieskirche in Steingaden. Die Wallfahrtskirche „Zum gegeißelten Heiland auf der Wies" geht auf ein überliefertes Tränenwunder von 1738 zurück und wurde von 1745 bis 1754 von den Brüdern Johann Baptist und Dominikus Zimmermann erbaut. Seit 1983 gehört sie zum UNESCO-Welterbe und gilt als eine der bedeutendsten Rokokokirchen der Welt; der lichtdurchflutete Innenraum mit feinem Stuck und farbenfroher Deckenmalerei ist auch bei Regen ein eindrucksvolles Ziel. Die Kirche liegt im Pfaffenwinkel, gut erreichbar über die Straßen Richtung Steingaden.

Wer es kleiner und ruhiger mag, findet im Allgäu zahlreiche Klöster und Stadtkerne, die einen überdachten Streifzug tragen. Füssen mit seinem Hohen Schloss und dem Kloster St. Mang, Kempten als eine der ältesten Städte Deutschlands mit der Residenz und der barocken St.-Lorenz-Basilika sowie kleinere Museen in den Tälern bieten Stoff für mehrere Stunden. Sturmannshöhle und Breitachklamm sind bei leichtem Regen sogar reizvoller als bei Sonne, weil das Wasser dann kraftvoller fließt; bei starkem Regen oder Gewitter werden die Klammen aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Sehenswert

Naturstopps zwischen Forggensee und Nebelhorn

Die Stärke des Allgäus liegt darin, dass die schönen Stopps nie weit von der Strecke entfernt sind. Allein die Seenlandschaft rund um Füssen bietet mehrere lohnende Pausenplätze. Der Forggensee ist mit rund 12 Kilometern Länge und bis zu 3 Kilometern Breite der größte See des Allgäus; er ist ein Stausee und wird daher im Winterhalbjahr teilweise abgelassen, im Sommer aber ist er ein weiter, von Bergen gerahmter Wasserspiegel mit Blick auf die Königsschlösser. Der kleinere Hopfensee bei Füssen ist ein flacher, sich rasch erwärmender Badesee mit sanften Uferwegen und Bergpanorama. Der Grüntensee, ein Stausee zwischen Nesselwang und Wertach, liegt etwas ruhiger und eignet sich für eine Rast abseits des Trubels. Der Alpsee direkt unter den Schlössern rundet die Reihe der gut erreichbaren Seen ab.

Jenseits der Grenze, aber landschaftlich Teil derselben Tourenwelt, liegt das Tannheimer Tal in Tirol, ein Hochtal auf rund 1100 Metern, das sich selbst als eines der schönsten Hochtäler Europas vermarktet. Es ist über den Oberjoch direkt mit dem Allgäu verbunden und bietet weite Wiesen, den Haldensee zwischen Grän und Nesselwängle sowie gemütliche Einkehrmöglichkeiten. Für viele Allgäu-Touren ist das Tannheimer Tal die natürliche Verlängerung über den Pass.

Die markanten Berge des Allgäus sind eigene Stopps wert. Das Nebelhorn über Oberstdorf erreicht 2224 Meter und ist mit der Nebelhornbahn, der höchsten Seilbahn des Allgäus, erschlossen; vom Gipfel reicht der Blick weit in die Alpen. Der Grünten (1738 m) bei Rettenberg wird wegen seiner freistehenden Lage am Alpenrand „Wächter des Allgäus" genannt und ist von vielen Punkten der Region aus zu sehen. Beide Berge sind gute Orientierungspunkte und lohnende Aussichtsziele.

Pausenplätze finden sich an fast allen Seen, an den Talstationen der Bergbahnen und in den Ortskernen mit ihren Gasthäusern und Cafés. Wer die Reihenfolge klug legt, fährt die höheren Pässe am Vormittag und hebt sich die Seen und Täler für die wärmeren Nachmittagsstunden auf.

Talkammern im Oberallgäu und der Bruch ins Moränenland

Das südliche Allgäu ist kein zusammenhängendes Straßennetz, sondern eine Reihe von Talkammern, die alle auf dieselbe Nord-Süd-Achse zulaufen. Bei Oberstdorf treffen Stillach, Trettach und Breitach zur Iller zusammen; östlich davon zieht die Ostrach aus dem Hindelanger Talschluss heran, westlich das Gunzesrieder Tal aus dem Hinterland von Blaichach. Fahrerisch bedeutet das: Viele der schönsten Strecken sind Stichstraßen. Wer ins Hintersteiner Tal abbiegt, fährt eine schmale, gut asphaltierte Talstraße bis zum Ende der öffentlichen Befahrbarkeit und dieselbe Linie wieder zurück. Dasselbe Muster gilt für Gunzesried, für die Zufahrten oberhalb von Steibis und für mehrere Seitentäler um Oberstdorf.

Das ist kein Nachteil, verlangt aber eine andere Tourenplanung als ein Passgebiet mit durchgehenden Übergängen. Die Stichtäler sind früh am Tag am ruhigsten, der Rückweg zeigt die Strecke aus der Gegenrichtung, und der Verkehr besteht überwiegend aus Anliegern, Landwirtschaft und Wanderern.

Nördlich der Linie Immenstadt–Sonthofen kippt die Landschaft innerhalb weniger Kilometer. Die Berge treten zurück, an ihre Stelle rückt das von eiszeitlichen Gletschern geformte Hügelland mit Wällen, Kuppen und langgestreckten Drumlins. Straßen laufen dort oft über die Rücken statt durch die Senken, mit vielen Kuppen, in denen die Sicht kurz abreißt. Zwischen Sulzberg, Wildpoldsried, Oy-Mittelberg und Wertach liegen ganze Netze aus Gemeinde- und Kreisstraßen, die kaum Durchgangsverkehr sehen. Rechnen muss man mit Traktoren, Milchsammelwagen und nassen Fahrbahnrändern nach dem Güllefahren.

Riedbergpass: Übergang auf der Wasserscheide zwischen Iller und Bregenzer Ach

Der Riedbergpass trägt den Titel des höchsten Passübergangs im deutschen Straßennetz, aber seine Besonderheit liegt weniger in der Höhe als in dem, was er trennt. Auf der Ostseite entwässert alles über die Iller zur Donau, auf der Westseite fließt die Bolgenach in den Bregenzerwald ab und erreicht über die Bregenzer Ach den Bodensee und damit den Rhein. Der Übergang liegt also auf der europäischen Hauptwasserscheide – eine Grenze, die man an der Vegetation und am Wetter ablesen kann. Von Westen schieben sich die feuchten Luftmassen vom Bodensee heran und stauen sich am Kamm; deshalb liegt in Balderschwang regelmäßig Schnee, wenn im Illertal längst der Frühling angefangen hat.

Für die Fahrt heißt das zweierlei. Erstens ändern sich die Bedingungen auf beiden Rampen unabhängig voneinander: Die Ostseite kann trocken sein, während die Westseite im Nebel steht. Zweitens ist die Passhöhe kein Ziel, sondern ein Durchgang. Hinter Balderschwang führt die Straße weiter über die Landesgrenze nach Vorarlberg und durch das Tal der Bolgenach in den Bregenzerwald. Diese Fortsetzung ist deutlich schmaler und ruhiger als die deutsche Rampe und ergibt zusammen mit der Rückfahrt über das Westallgäu eine Runde, die ohne Wiederholung auskommt.

Die Talstation der Region ist Obermaiselstein. Wer von dort startet, hat die Steigung sofort unter dem Hinterrad, ohne Warmfahrstrecke. Bei kalten Reifen und morgendlicher Feuchte am Waldrand ist das der Moment, an dem die meisten Fehler passieren.

Kleinwalsertal und Jungholz: österreichisches Gebiet mit deutscher Zufahrt

Zwei Gemeinden im Allgäuer Umfeld gehören staatsrechtlich zu Österreich, sind mit dem Fahrzeug aber ausschließlich über Deutschland erreichbar. Das Kleinwalsertal – die Gemeinde Mittelberg mit den Orten Riezlern, Hirschegg, Mittelberg und Baad – öffnet sich nach Norden zum Illertal bei Oberstdorf und ist nach Süden und Westen von Bergkämmen ohne Straßenverbindung abgeschlossen. Die Straße endet in Baad am Talschluss. Was in den Alpen sonst als Sackgasse gilt, ist hier ein eigener Naturraum: Die Zufahrt führt an der Walserschanz über die Staatsgrenze, danach fährt man in Österreich, telefoniert aber mit deutschen Vorwahlen und findet deutsche Postleitzahlen. Die enge Verzahnung mit Bayern reicht ins 19. Jahrhundert zurück, als das Tal wirtschaftlich an das Deutsche Reich angeschlossen wurde; mit dem EU-Beitritt Österreichs verlor diese Sonderstellung ihre Bedeutung.

Fahrerisch ist das Tal eine gerade, gut ausgebaute Talstraße mit stetiger Steigung und wenig Kurvenreiz, aber mit einer Kulisse, die sich am Talschluss deutlich aufbaut. Der Verkehr ist im Sommer dicht, weil sämtlicher Ziel- und Quellverkehr durch dieselbe Röhre muss. Wer nur einen kurzen Abstecher plant, sollte die Rückstauzeiten am Nachmittag einkalkulieren.

Ähnlich, aber kleiner, liegt der Fall bei Jungholz nordöstlich von Wertach. Der Tiroler Ort berührt das übrige Österreich nur an einem einzigen Punkt, dem Gipfel des Sorgschrofens; die Straße kommt aus Bayern und endet im Ort. Für eine Tour ist Jungholz eher eine Kuriosität als eine Fahrstrecke, aber es ist einer der wenigen Orte, an denen man eine Staatsgrenze überquert, ohne die Region zu wechseln.

Verkehrsdruck um Füssen und die Wege daran vorbei

Der Raum Füssen ist der am stärksten belastete Abschnitt des Allgäus. Drei Verkehrsströme überlagern sich hier: der Zielverkehr zu den Königsschlössern in Hohenschwangau, das Ende der Romantischen Straße mit Reisebussen und Wohnmobilen, und der Transitverkehr nach Tirol, der über den Grenzübergang bei Vils und die Fernpassstraße Richtung Reutte und weiter nach Süden abfließt. An Ferienwochenenden staut sich dieser Transit zurück bis in die Allgäuer Ortsdurchfahrten, und zwar unabhängig davon, wie leer die Passstraßen im Gebirge gerade sind.

Für Motorradfahrer sind zwei Dinge wichtig. Erstens ist die Ortsdurchfahrt Schwangau in der Hauptsaison kein Ort zum Fahren, sondern eine Kolonne mit Parkplatzsuchverkehr, querenden Fußgängern und abbiegenden Bussen. Zweitens gibt es brauchbare Umfahrungen. Das Ostufer des Forggensees über Roßhaupten und die Höhenlagen um Halblech und Trauchgau nehmen denselben Weg nach Osten auf, ohne den Schlösserverkehr zu berühren. Nach Westen führt die Verbindung über Pfronten und Nesselwang aus dem Trichter heraus. Wer die Schlösser sehen will, fährt sie früh am Morgen an; wer sie nur passieren muss, umfährt sie großräumig. Landschaftlich bleibt der Bereich trotz des Andrangs reizvoll, weil der Lech hier aus Tirol kommend die Alpen verlässt und der Übergang vom Gebirge ins Flachland auf wenigen Kilometern sichtbar wird.

Stauseen, Zungenbecken und die Straßen dazwischen

Die Seen im Allgäuer Vorland stammen aus zwei völlig verschiedenen Quellen, und das prägt auch die Straßen an ihren Ufern. Die natürlichen Gewässer liegen in Becken, die von den eiszeitlichen Gletscherzungen ausgeschürft wurden – der Niedersonthofener See im Illertal, der Weißensee westlich von Füssen, der Bannwaldsee bei Schwangau, dazu kleinere Moorseen wie der Elbsee und der Attlesee im Ostallgäu. Ihre Uferstraßen sind schmal, folgen der Geländeform und wechseln ständig zwischen Wald und offener Wiese.

Daneben stehen die künstlichen Speicher, allen voran der Rottachsee südlich von Kempten, der zur Trinkwasserversorgung und zum Hochwasserschutz angestaut wurde. Solche Seen haben andere Straßen: Dammkronen, gerade Abschnitte, Brücken über die Zuflüsse und meist gute Parkmöglichkeiten. Die Kombination aus beidem ergibt im Vorland ein Streckenprofil, das mit dem Gebirge wenig zu tun hat – lange, einsehbare Bögen, wenig Steigung, dafür ständige Blickwechsel zwischen Wasserfläche und Alpenrand im Süden.

Praktisch sind die Vorlandseen als Puffer. An Tagen mit tiefer Wolkenbasis oder nachmittäglichen Gewittern über den Bergen lässt sich eine Tour hierher verlegen, ohne die Region zu verlassen. Die Fahrzeit von Sonthofen ins Seengebiet um Füssen liegt in der Größenordnung einer guten Stunde.

Alpwirtschaft, Braunvieh und was davon auf der Straße ankommt

Die offenen Hänge, die das Allgäu von den bewaldeten Mittelgebirgen unterscheiden, sind kein Naturzustand, sondern das Ergebnis jahrhundertelanger Beweidung. Bis ins 19. Jahrhundert lebte die Region vom Flachsanbau und der Leinenweberei, mit Kempten als Handelszentrum. Als die industrielle Baumwollverarbeitung diesen Zweig verdrängte, stellte das Allgäu auf Milchwirtschaft um. Der Unternehmer Carl Hirnbein aus dem Raum Missen gilt als treibende Kraft dieses Umbaus; er brachte die Herstellung von Hart- und Weichkäse nach Schweizer Vorbild ins Land. Aus dieser Zeit stammt die Prägung als Käseregion, die sich bis heute in geschützten Herkunftsbezeichnungen für Allgäuer Bergkäse und Allgäuer Emmentaler niederschlägt.

Für die Straße hat das konkrete Folgen:

  • Weidegatter und Viehroste quer über der Fahrbahn an den Zufahrten zu Alpflächen. Die Metallroste sind bei Nässe rutschig und sollten aufrecht, ohne Schräglage und ohne Bremseingriff überfahren werden.
  • Freilaufendes Vieh auf ungezäunten Alpstraßen. Tiere stehen häufig direkt hinter Kurven im Schatten und weichen nicht aus.
  • Gesperrte Alpstraßen: Viele Zufahrten zu den Sennalpen sind privat und für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Die Beschilderung ist eindeutig, Kontrollen gibt es.
  • Verschmutzte Fahrbahn in der Nähe von Höfen und im Umfeld der Milchtransporte, besonders früh morgens und am späten Nachmittag.

Das auffälligste Ereignis im Jahreslauf ist der Viehscheid, der Almabtrieb Anfang bis Mitte September. In Orten wie Bad Hindelang, Gunzesried, Obermaiselstein oder Pfronten werden die Herden durch die Ortschaften getrieben; Straßen sind zeitweise gesperrt, die Zufahrten überfüllt und die Parkflächen belegt. Wer an diesen Tagen unterwegs ist, sollte die betroffenen Orte großräumig umfahren oder den Termin bewusst als Ziel einplanen und das Motorrad früh abstellen. Für den Rest der Saison gilt der einfachere Grundsatz: Wo die Wiesen bis an den Asphalt reichen, gehört die Straße nicht allein dem Verkehr.

Landschafts-Highlights, die du mit dem Motorrad erreichst

Riedbergpass

Der höchste mit dem Motorrad befahrbare Gebirgspass Deutschlands. Die Straße erreicht rund 1406 Meter, beide Rampen ziehen sich in kurzen, steilen Serpentinen bis zu 16 Prozent hinauf – oben Kammlage mit weitem Blick über die Allgäuer Alpen.

Anfahrt
Von Fischen/Obermaiselstein (Abzweig B19) über die Riedbergstraße nach oben; westliche Rampe ab Balderschwang.
Motorrad-Parken
Wanderparkplätze an der Passhöhe und in Balderschwang; Motorräder finden am Straßenrand meist Platz.
Öffnungszeiten
frei zugänglich
Höhe/Aussicht
Straße bis ca. 1406 m, Passhöhe an der Wasserscheide 1342 m

Schloss Neuschwanstein & Marienbrücke

König Ludwigs II. Schloss über Hohenschwangau, seit 2025 UNESCO-Welterbe. Der berühmte Blick auf die Südfassade führt über die Marienbrücke; das Schloss selbst ist nur mit Führung zu besichtigen.

Anfahrt
Über die B17 nach Schwangau/Hohenschwangau, südöstlich von Füssen.
Motorrad-Parken
Große gebührenpflichtige Sammelparkplätze in Hohenschwangau; zum Schloss hinauf nur zu Fuß, per Shuttle oder Kutsche.
Öffnungszeiten
Innenbesichtigung nur mit ca. 35-minütiger Führung, Tickets ausschließlich über das Ticketcenter Hohenschwangau; die Marienbrücke ist bei Eis und Schnee zeitweise gesperrt.

Wieskirche

Rokoko-Wallfahrtskirche von Dominikus Zimmermann, seit 1983 UNESCO-Welterbe. Freistehend auf einer Wiese im Pfaffenwinkel, innen einer der Höhepunkte des bayerischen Rokoko.

Anfahrt
Über die B17 (Romantische Straße) bei Steingaden, dann Nebenstraße zum Ortsteil Wies; nördlich von Füssen im Pfaffenwinkel.
Motorrad-Parken
Gebührenpflichtiger Besucherparkplatz direkt am Ort; für Motorräder unkritisch.
Öffnungszeiten
Täglich außerhalb der Gottesdienste zu besichtigen; Eintritt frei (Spende erbeten).

Breitachklamm

Tiefste Felsenschlucht Mitteleuropas – die Breitach hat sich bis zu 150 Meter tief in den Fels gesägt. Ein rund 2,5 Kilometer langer Steg führt dicht am tosenden Wasser entlang.

Anfahrt
Ab Oberstdorf (Ende der B19) Richtung Tiefenbach und Kleinwalsertal zum Eingang Tiefenbach.
Motorrad-Parken
Kostenpflichtige Parkplätze P1 Tiefenbach und P2 Walserschanz direkt an den Eingängen.
Öffnungszeiten
In der Regel ganzjährig, Kernzeit täglich etwa 9–17 Uhr; im Frühjahr und Herbst mehrwöchige Wartungspausen. Eintritt kostenpflichtig (Kasse am Eingang).
Höhe/Aussicht
Schlucht bis zu 150 m tief

Forggensee

Mit 15,2 km² der größte Stausee Deutschlands, direkt am Alpenrand bei Füssen. Türkisblaues Wasser vor der Bergkulisse der Ammergauer Alpen – ein lohnender Foto-Stopp entlang der Uferstraßen.

Anfahrt
Bei Füssen; Uferstraßen und Aussichtspunkte zwischen Füssen und Roßhaupten, Anfahrt über B16/B17.
Motorrad-Parken
Parkplätze an den Uferabschnitten und Schiffsanlegestellen, teils gebührenpflichtig.
Öffnungszeiten
frei zugänglich (der Pegel wird im Winter abgesenkt, tiefster Stand meist im März)
Höhe/Aussicht
Stauziel rund 780 m ü. NN

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