
Deutschlandtour – Von Nord nach Süd
Einmal quer durch Deutschland. Vom nördlichsten Landpunkt bis an die letzte offiziell befahrbare Spitze im Süden. Wo immer es geht, unter Vermeidung von Schnellstraßen und Autobahnen.
Allgäu
Strecken-Achsen, Bikertreffs, Tankstellen und fertige Tagesrunden – alles zum Fahren.
Von der Redaktion gefahren und dokumentiert – mit Karte und GPX-Track zum Nachfahren.

Einmal quer durch Deutschland. Vom nördlichsten Landpunkt bis an die letzte offiziell befahrbare Spitze im Süden. Wo immer es geht, unter Vermeidung von Schnellstraßen und Autobahnen.

Diese Etappe der M&R-Lesertreffen-Routen führt nach Oberbayern ins östliche Alpenvorland.

Von Wiggensbach führen Sabine und Jost diese Tour rund um den Säntis.

Durch die Lechtaler Alpen geht es auf dieser Etappe unserer Tirol-Touren.

Eine stattliche Anzahl von Frauen und Männern traf sich in Wiggensbach, um sich von Sabine und Jost durch das Allgäuer Voralpenland führen zu lassen.

Bei dieser Sommer-Tour übernimmt die Sonne die Navigation und führt uns trocken um alle düsteren Regenwolken herum – von Frankfurt in die Nord-Alpen & retour.
Der Riedbergpass gilt als höchster ganzjährig mit dem Kraftfahrzeug befahrbarer Straßenpass Deutschlands, mit dem höchsten Punkt der Straße bei rund 1406 Metern. „Ganzjährig befahrbar" ist dabei ein Verwaltungsstatus, kein Versprechen für den einzelnen Tag. Gerade weil der Pass so hoch liegt, ist er die erste Allgäuer Strecke, die bei einem frühen oder späten Wintereinbruch dichtmacht. Wer in der Rand-Saison im April und Mai oder im Oktober und November unterwegs ist, sollte einen Neuschnee-Morgen einkalkulieren und die Lage vor der Tour prüfen, statt sich auf das Etikett zu verlassen.

Was das praktisch bedeutet, zeigt Balderschwang. Das Dorf liegt auf gut 1000 Metern und zählt zu den höchstgelegenen Gemeinden Deutschlands – und seine einzige ganzjährige Straßenverbindung ins übrige Bundesgebiet führt über den Riedbergpass. Die andere Talausfahrt läuft nach Westen über die Grenze in den österreichischen Bregenzerwald. Ist der Pass gesperrt, erreicht man Balderschwang von der deutschen Seite also gar nicht mehr; der Weg führt dann über Österreich.
Für die Tourenplanung heißt das: Wer den Riedberg fest in eine Runde einplant, braucht in der Rand-Saison einen Ersatzweg im Kopf. Das ist entweder der weite Bogen über Sonthofen und das Illertal oder die Schleife durch den Bregenzerwald – beides kostet Zeit und im österreichischen Fall unter Umständen eine Vignette. Im Hochsommer stellt sich die Frage kaum; in den Übergangsmonaten entscheidet sie über die Route.
Zwei Stücke Österreich hängen fahrtechnisch am Allgäu, ohne dass man dafür einen Berg überqueren müsste. Das Kleinwalsertal mit Riezlern, Hirschegg und Mittelberg gehört zu Vorarlberg, ist mit dem Fahrzeug aber ausschließlich von Oberstdorf aus über die Walserschanz erreichbar – auf einer Talstraße, nicht über eine Passhöhe. Jungholz gehört zu Tirol, hängt aber nur an einem einzigen Bergpunkt am übrigen Österreich und wird deshalb von bayerischer Seite über Wertach angefahren. Beide sind funktionale Enklaven: österreichischer Boden, den man nur durch Deutschland erreicht.
Fahrerisch folgt daraus dasselbe Muster wie am Ende jeder Sackgasse. Es gibt keine Durchgangsstrecke – wer hineinfährt, fährt dieselbe Straße wieder hinaus und sollte das Tal in der Kilometer- und Zeitrechnung doppelt ansetzen. An schönen Sommerwochenenden trägt vor allem das Kleinwalsertal viel Ausflugsverkehr; ein früher Start nimmt den größten Teil des Gedränges am Taleingang aus der Fahrt.
Die Maut-Frage ist in diesen Tälern die angenehme Ausnahme: Man steht auf österreichischem Boden, kommt aber in aller Regel ohne Vignette hin, weil die Zufahrten als mautfreie Talstraßen ausgewiesen sind. Erst wer weiter ins österreichische Hauptnetz aus Autobahnen und Schnellstraßen fährt, braucht die Vignette, und auf einzelnen Tiroler Alpenstraßen kommt eine gesonderte Maut dazu. Die Allgäuer Pässe selbst, Riedberg wie Oberjoch, sind durchweg kostenfrei. Weil sich solche Regelungen ändern können, gilt für die Zufahrten: vor der Tour kurz prüfen.
Die Jochstraße auf das Oberjoch trägt ihren Ruf als kurvenreichster Passaufstieg Deutschlands zu Recht, doch eine Eigenheit steht selten dabei: Sie ist ein einseitiger Anstieg. Die 106 gezählten Kehren staffeln sich nahezu vollständig auf der deutschen Rampe aus dem Ostrachtal bei Bad Hindelang. Oben, auf rund 1178 Metern, weitet sich ein Hochtal, und zur österreichischen Seite fällt die Straße ins Tannheimer Tal nur noch flach ab. Der eigentliche Genuss liegt damit auf der Auffahrt, nicht auf einer Abfahrt jenseits der Passhöhe.
Daraus ergibt sich eine einfache Regel für die Routenlegung: die Spitzkehren bergauf nehmen, nicht bergab. Im Anstieg lässt sich der Rhythmus sauber setzen; bergab im Wochenend-Konvoi hinter Wohnmobilen zerfällt er. Wer das Oberjoch als Wende- und Pausenpunkt begreift und für den Rückweg eine andere Linie wählt – über das Tannheimer Tal und den Gaichtpass oder über Pfronten zurück ins Allgäu –, fährt die Straße von ihrer besten Seite. Die tagesaktuelle Verkehrs- und Baustellenlage lohnt vorab einen Blick.
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