Warum der Süden des Allgäus die beste Basis abgibt

Das Allgäu zerfällt für den Motorradfahrer in zwei Welten: das flache Alpenvorland um Kempten und den Westen, und die Bergkette im Süden, in der die lohnenden Straßen liegen. Wer die Pässe fahren will, quartiert sich deshalb im Oberallgäu ein. Sonthofen und Immenstadt liegen zentral im Illertal und sind der praktischste Dreh- und Angelpunkt – von hier sind Oberjoch, Riedbergpass und die österreichischen Täler jeweils in einer knappen Stunde erreicht. Bad Hindelang schiebt Sie noch näher an die Kehren der Jochstraße (B308) heran, Oberstdorf ganz in den Talschluss. Wer dagegen eher im Osten unterwegs sein will – Richtung Füssen, Ammergau und Fernpass –, fährt mit einem Standort in Pfronten, Nesselwang oder Füssen selbst besser, weil die Anfahrt vom Illertal quer durchs Vorland sonst jeden Morgen Zeit frisst. Kempten und der Westen sind gut angebunden und meist günstiger, kosten aber bei jeder Bergtour Vorlauf.
Was ein Quartier in den Allgäuer Bergen ausmacht

Anders als im Mittelgebirge übernachten Sie hier oft im Berggasthof oder Alpengasthof auf 900 bis über 1200 Metern – in Balderschwang, dem höchstgelegenen Ort Deutschlands, oder oben in Oberjoch. Das hat Folgen für die Planung: Die Nächte bleiben auch im Hochsommer kühl, das Wetter kippt schneller als im Tal, und im Alpenvorland liegt morgens gern Nebel, der sich erst spät hebt. Eine Besonderheit sind die Sackgassen-Täler: Oberstdorf und das angrenzende Kleinwalsertal enden am Berg, man fährt dieselbe Strecke wieder hinaus. Das ist kein Nachteil, sollte aber ins Kalkül, wenn Sie Rundkurse planen. Praktisch ist die Nähe zur österreichischen Grenze – Kleinwalsertal, Jungholz und das Tannheimer Tal sind vom Allgäu aus ohne Vignette erreichbar, weil sie verkehrstechnisch am deutschen Netz hängen. Für den Riedbergpass, mit gut 1400 Metern die höchste asphaltierte Passstraße Deutschlands, lohnt ein Quartier in den Hörnerdörfern zwischen Fischen und Balderschwang, das ihn direkt vor die Haustür legt.
Ein Standlager reicht – bis auf den Osten

Das eigentliche Motorrad-Allgäu ist kompakt genug, dass ein einziges Quartier im Raum Sonthofen–Immenstadt–Bad Hindelang für Tagesrunden genügt. Von dort erschließen sich die klassischen Schleifen als Sternfahrt: der Oberjochpass mit seinen Kehren, der Riedbergpass, die Runde durchs Tannheimer Tal und hinüber in den Bregenzerwald über Oberstaufen und Hittisau. Sie kommen jeden Abend zum selben Bett zurück und sparen sich das tägliche Umpacken. Anders wird es, sobald der Osten dazukommt. Wer die Ammergauer Alpen, den Fernpass oder das Lechtal mitnehmen will, verliert vom Illertal aus zu viel Zeit auf der Anfahrt – hier lohnt entweder ein zweites Etappenquartier um Füssen oder eine bewusste Zweiteilung der Reise: erst die Oberallgäuer Pässe, dann Umzug ins Ostallgäu. Als grobe Regel gilt: Für ein verlängertes Wochenende reicht ein Standort im Oberallgäu vollkommen; erst bei einer Woche und dem Wunsch, die ganze Deutsche Alpenstraße von Lindau bis Berchtesgaden abzufahren, ergeben zwei Basislager wirklich Sinn.
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